Heiko Schäfer, alias Heiko M/S/O, ist Musik-Verrückter, Geschäftsmann und ein Urgestein der deutschen Elektroszene. Am 14. April wird er zusammen mit Roman Flügel den Soundtrack zur ORGANIC DISCO liefern. Welche Rolle Kraftwerk in seinem Leben spielte und warum er beim Produzieren die Taschen voller Platten hat, erklärt er im ersten von drei Interview-Teilen: Heiko, der Musiker.
Woher kommt deine Faszination für elektronische Musik?
Kraftwerk. Ich bin mit „Wir sind die Roboter“ eingestiegen, da war ich ungefähr neun. Damals gab es die Nachrichtensendung „Die Drehscheibe“, in der immer eine Band live gespielt hat. Als dieses Stück lief, bin ich beinahe zusammengebrochen. Das musste ich haben. Später haben wir einen illegalen Live-Mitschnitt von Kraftwerk auf Kassette rauf und runter gehört, manchmal zehnmal hintereinander.
Du hast lange in einem Plattenladen gearbeitet. Hat das deine musikalische Karriere beeinflusst?
Angefangen habe ich im Plattenladen „Boy Records“. Da hat sich immer alles getroffen. Siggi Zahn, der später Chef von Neuton Musikvertrieb wurde, und Markus Löffel alias Mark Spoon arbeiteten auch dort. Dann kam House und Ata (Macias), die nächste Techno-Generation, und ich habe gesagt: Es muss ein neuer Laden her, der genau diese Kultur vertritt. Ata und Jörg (Henze) haben schließlich das Delirium gegründet. In diesen Läden habe ich ständig neue Musik-Verrückte kennen gelernt.
Wie arbeitest du an neuen Tracks?
Ich bin eigentlich kein Musiker, habe nie ein Instrument gespielt. Wenn ich selbst Musik mache, setze ich mich meist mit einem Produzenten zusammen. Meine Stärke ist das Arrangieren. Ich habe sehr konkrete Vorstellungen, wie ich ein Lied gestalte und welchen Sound ich haben möchte. Ich habe beim Produzieren immer eine Tasche voller Platten dabei und sage dann: Ich will diesen Sound, diesen Rhythmus und diese Hi-Hat. So schnippel ich mir die Tracks zusammen.
Gibt es neben der Musik noch andere Kunstformen die dich interessieren?
In den Neunzigern war ich ein großer Fan von Video-Animationen. Wir haben mal mit einem Semester der Offenbacher Hochschule für Gestaltung eine CD inklusive DVD mit Videos zu allen Tracks produziert. Der Professor hat jedem Studenten einen Titel zugewiesen und der musste dazu ein Video machen. Videos haben mich schon immer beeinflusst. Die Clips der Aphex Twins von Chris Cunningham waren sensationell, auch die der Beastie Boys. Die Kunstformen verschwimmen ohnehin und das ist gut so, so entsteht immer wieder neue Inspiration.
Welche aktuellen Trends siehst Du derzeit in der elektronischen Musik?
Ich habe das Gefühl, dass der Trend uns zurück führt. Aber Trends sind immer eine komische Sache. Für mich ist ein Trend das, wo mich meine Nase hinführt.














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