12. September 2011 | 1 Kommentare | Tobias Reitz

Ein Schritt zurück, zwei Schritte vor

Sustainable Dance Floor

Drei Tage liegt sie nun zurück, die zweite Organic Disco in der Centralstation. Ein toller Sommerabend, ein großartiger Ricoloop, eine Party voller positiver Energie, so buntgrün, wie sie Darmstadt nicht alle Tage feiert.

 

Mit dem Nachbericht haben wir uns etwas Zeit gelassen, zum einen weil wir nach all den intensiven Wochen und Monaten eine Verschnaufpause brauchten, zum anderen weil es sich mit ein paar Tagen Abstand besser Fazit ziehen lässt. Vieles hat sich bewährt oder ist besser geworden. Doch einiges, das möchten wir nicht verschweigen, ist nicht so gelaufen, wie wir es uns gewünscht haben. Eine kleine Übersicht, die ihr gerne in den Kommentaren ergänzen könnt:

Kam mit dem Rad und strampelte Strom: Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch eröffnete die Organic DiscoKam mit dem Rad und strampelte Strom: Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch eröffnete die Organic Disco

 

Was ist besser geworden?

  • Wir haben den Aufbau der Party zum Wohle aller Beteiligten von einem auf zwei Tage entschleunigt. Mehr Entspannung, mehr Pausen, mehr Wohlbefinden – auch das ist Nachhaltigkeit.
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  • Das Wetter. 2010 bangten wir bei leichtem Nieselregen, ob überhaupt jemand sein Fahrrad aus dem Keller holen würde, 2011 verlebten wir eine der letzten trockenen lauen Sommernächte des Jahres. Die Temperaturen, die Diskokugel, die vegane Kekse, die Wurstbude und die gemütliche Lounge aus Recycling-Möbeln sorgten für eine ausgelassene Stimmung vor der Centralstation, die wir gerne auch in der Halle gehabt hätten.
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  • Wir haben noch mehr Alternativen für eine klimafreundlichen Anreise der Partygäste geboten. Ein geschätztes Drittel der Partybesucher reiste mit dem Fahrrad an. Durch die Kooperation mit flinc gelang es uns zudem, einige Autofahrer zu einer umweltfreundlicheren Anreise zu animieren: Die ersten 20 Fahrgemeinschaften konnten kostenlos parken.
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  • Einer der Hauptkrtitikpunkte an der ersten Organic Disco war ihr Messe-Charakter. Wir haben deshalb versucht, Verkaufsstände zu reduzieren und die Party in den Mittelpunkt zu stellen. Anstatt beispielsweise einen zusätzlichen vegetarischen Imbiss zu buchen, fragten wir Martin, der jedes Wochenende mit seiner Wurstbude im Carree steht, ob er sich auf das Experiment „Vegetarische Wurst“ einlassen würde. Der Punkt Essen ist uns so wichtig, da einige der durch den Mensch verursachten CO2-Emissionen auf Fleisch- und Fischkonsum zurückzuführen sind. Die Schätzungen liegen da meist zwischen 18 und 51 Prozent. (Danke an Heiko von der Veganen Gesellschaft für den Link!) Doch überzeugte Fleischesser lassen sich von solchen Zahlen kaum beeindrucken. Die Alternative zum Fleischgenuss muss schmecken, nur dann hat sie eine Chance. Wenn am Geschmack dieser Alternative weiter gefeilt wird, werden künftig sicherlich mehr als 35 Vegie-Würstchen verkauft – und das nicht nur zur Organic Disco!
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  • Die Organic Disco findet inzwischen nicht nur regional, sondern in ganz Deutschland und darüberhinaus Beachtung. Wir haben uns sehr über die vielen Artikel, Beiträge und Blogposts im Vorfeld gefreut und sind stolz, dass gar Teams von Galileo (Pro7) und in.puncto (SWR) nach Darmstadt kamen, um über die nachhaltigste Party der Stadt zu berichten. Auch CNN ist von der Organic Disco begeistert. Da sie leider kein eigenes Team nach Südhessen schicken konnten, schicken wir nun Material zu ihnen – und dann geht die kleine Party in Darmstadt um den Globus.

 
Was hat sich bewährt?

  • Die Zusammenarbeit mit unserem Hauptsponsor Entega hat sehr gut funktioniert. Durch die großzügige finanzielle Unterstützung ermöglichte Entega die Veranstaltung. Die sehr große, solarbetriebene Diskokugel, die im Auftrag des Energiedienstleisters vor der Centralstation aufgehängt wurde, ist ein Eyecatcher der zweiten Organic Disco geworden.
  • Ein bunt blinkender Hingucker: Der Sustainable Dance Floor

  • Der Sustainable Dance Floor war auch in diesem Jahr der Star des Abends. Auf der optimierten Version des Strom erzeugenden Tanzbodens wurden gar mehr Joule ertanzt als im Vorjahr. Auch das Absinken der Bodenplatten konnten die Tänzer deutlicher fühlen, sodass die Erkentnis, das sie selbst Energie erzeugen noch viel stärker ins Bewusstsein der Gäste rückte.

 
Was muss besser werden?

  • Was an dieser Disco ist Organic? Von der Werbung, über das Lichtkonzept, einem bahnfahrenden Ricoloop bis zur Zusammenstellung der Getränkekarte haben wir die Organic Disco klimafreundlicher als gewöhnliche Partys gestaltet. Wahrscheinlich ist das auf den ersten Blick gar nicht aufgefallen. Sollte es auch gar nicht. Erst auf den zweiten Blick soll klar werden, wo und wie wir bei der Party die Umwelt schonen. Damit es klar wird, wären ein paar Infotafeln sicher nicht verkehrt gewesen. Auf diesen hätten wir auch davor warnen können, dass man gar zu viel Strom auf der Fahrraddisko erstrampeln kann. Dass die Musik ausfällt obwohl geradelt wird, liegt nicht im Sinne des Erfinders.
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  • Als im April 2010 an einem Mittwochabend 750 Leute in die Centralstation kamen und die Organic Disco zu einem rauschenden Fest machten, glaubten wir fest daran, diese Zahl an einem Freitag oder Samstag noch toppen zu können. Haben wir aber nicht. Es kamen in diesem Jahr gar weniger Leute. Das kann vielfältige Gründe haben. An mangelndem Einsatz und mangelnder Liebe für’s Event kann es nicht gelegen haben. Wir glauben, einen entscheidenden Fehler gemacht zu haben. Die Organic Disco soll auch die Leute erreichen, die sich bislang nicht für Nachhaltigkeit interessieren. Diese Leute erreicht man nicht mit Soja-Würstchen, Fahrradparkplatz und klimaneutral gedruckten Flyern. Vielleicht hätte es neben unseren großartigen musikalischen Gästen Ricoloop und Thomas Hammann einen weiteren Headliner gebraucht. Einen, der die 200 bis 300 Leute zieht, die es an diesem Abend gebraucht hätte, um aus einer guten Party eine sehr gute Party zu machen.

Chillen in der Recycling-Lounge vor der Organic Disco
Christoph Harrach von KarmaKonsum sagte nach der Veranstaltung treffend: „Es geht nicht immer darum, eine Veranstaltung quantitativ weiterzubringen, auch qualitative Verbesserungen sind wichtig.“ Quantitativ (Gästezahl) haben wir einen Schritt zurück – qualitativ zwei Schritte nach vorne gemacht. So bleibt ein Schritt in die richtige Richtung auf einem Weg von dem wir uns nicht abbringen lassen. Wir sind uns bewusst, dass auch wir selbst noch vieles besser machen können und wir arbeiten daran. Denn das Thema Nachhaltigkeit in alle Lebensbereiche zu tragen und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, ist eine der wichtigsten Aufgabe unserer Generation. Die Organic Disco kann etwas bewegen: Vielleicht nicht durch eine einzelne Party, aber durch das, was bleibt. In den Köpfen der Partygäste, in den Köpfen der Clubbetreiber, in den Köpfen der Sponsoren, in den Köpfen der Menschen, die Berichte über die Party lesen, hören oder sehen. Es geht nicht um die Organic Disco. Es geht darum, dass wir alle umdenken. Wir brauchen ökologisches Bewusstsein in allen Clubs, bei allen Veranstaltungen, in allen Lebensbereichen.
 
Wir danken allen Menschen, Institutionen und Unternehmen, die diesen Schritt möglich gemacht haben: Der Centralstation Darmstadt, unseren Sponsoren ENTEGA, Alnatura und Telekom, unseren Kooperations- und Medienpartnern KarmaKonsum, Avocado Store, Recolution, enorm, Frankfurter Rundschau, P-Magazin, Partyamt, flinc, den Halbzeitvegetariern, Ritter Pen und LemonAid, der veganen Gesellschaft Darmstadt, den fleißigen Helfern auf dem Fahrradparkplatz, Sparrad, Baumaschinen Dietrich, Rimma Khasanshina, Andreas Strack, Christine Herold, Stella Riesterer, Hannah Mischlich, Katharina Ganz, Peter Hein, Ruben Löbbert, Franzi Willbrandt, Mario Hecht, Tina Schmidt, André Dücker, Florian Siebeck, Lisa Diandra Krueger, Bebero Lehmann, Isabel Rase, Anke Schuhardt, Rebecca Sandbichler, Wurstbuden-Martin, LichtAn:LichtAus, Ricoloop, Thomas Hammann, Morgenwelt Rocks, dem Sustainable Dance Club, der Gastro, der Technik, dem Vorverkauf und der Security des Abends, den Teams von Galileo und in.puncto und natürlich allen Gästen, die am 9. September 2011 in der Organic Disco gefeiert haben.

Ein Kommentar

laura schrieb am 12. September 2011 um 20:50:

Hey,
super Konzeptund alles, aber ich wollte noch etwas hinzufügen zu den gründen, warum die besucherzahl abgenommen hat: Konkurrenzveranstaltung am selben abend elektroschule im schlosskeller, 3 Euro. 11 Euro ist einfach ein bisschen zu viel… nur so, falls es möglich wäre das noch zu reduzieren. liebe grüße 🙂

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