07. April 2010 | 1 Kommentare | Kersten Riechers

Heiko M/S/O, der Labelchef

Welche Rolle Kraftwerk in seinem Leben spielte und warum er beim Produzieren die Taschen voller Platten hat, erklärte Heiko M/S/O im ersten von drei Interview-Teilen. Im zweiten Teil verrät er, wieviele Topsongs den Rest finanzieren und was die digitale Entwicklung für die Musik bedeutet.

Mit Ata (Mecias) hast du 1992 das Plattenlabel Ongaku gegründet, warum die Entscheidung selbst Labelchef zu werden?

Zuerst geht man Platten kaufen, dann hat man einen Plattenladen, man legt auf und dann will man natürlich auch selbst Platten machen.  Ata hatte damals die Idee, ein Label zu gründen und ich habe gesagt: Och nee, dann müssen wir ja ein eigenes Geschäft machen. Dann lief es aber doch irgendwie.

Siehst du dich selbst eher als DJ oder als Labelchef? Künstler oder Geschäftsmann?

Ich bin Künstler, aber ich habe mich irgendwann zwischen die Stühle gesetzt. Es kam dieser Punkt an dem man sagt: Entweder ganz oder gar nicht. Ich habe Wirtschafts-Abitur gemacht und kannte ein paar Grundlagen der Buchführung, zudem konnte ich gut schreiben und passables Englisch. Das waren eigentlich die einzigen Gründe warum ich derjenige war, der die Geschäfte übernommen hat. Einer musste eben ran.

Kannst Du hören, ob ein Track ein Hit wird?

Nee, wenn ich das könnte, würde ich heute wahrscheinlich an der Spitze von Universal sitzen und einen Arsch voll Geld verdienen. Aber bei manchen Sachen weiß man schon, der Track ist klasse. Als wir „Rocker“ von Alter Ego zum ersten Mal gehört haben sind wir aufgesprungen und haben gejubelt. Wir haben aber auch eine Menge Alben gemacht, bei denen wir dachten, die werden schon ihren Weg finden und die sind dann voll in die Hose gegangen. Es muss sich die Waage halten, mindestens einmal im Jahr musst du einen großen Hit haben. Der finanziert dann alles andere. Wir hatten das Glück, dass wir ein paar dieser großen Hits hintereinander landen konnten, aber steuern kann man das nicht.

Die Musikindustrie hat unter der digitalen Entwicklung gelitten, wie kaum eine andere Branche. Ist das Internet der Feind oder siehst du auch Potential für die Musikszene?

Als das los ging, habe ich gedacht: Super, jetzt können wir noch viel mehr Leute mit unserer Musik erreichen. Das Problem ist nur, dass sich das Ganze durch 500.000 Mal so viele Anbieter, die jetzt mehr auf dem Markt sind, teilt. Im Prinzip bietet das Internet gigantische Möglichkeiten, aber die Generation, die jetzt aufwächst, hat das Gefühl, für Musik nichts mehr bezahlen zu müssen. Ich habe das Gefühl, dass die Leute nicht mehr die Kultur hinter dem Musikmachen sehen, man kann ja alles aus dem Netz laden, die Musik hat keinen Wert mehr. Letztens kam jemand auf mich zu und fragte, ob ich vier Gigabyte Depeche Mode haben will. Was soll ich damit? Wann soll ich das alles hören?

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