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ORGANIC DISCO

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Donnerstag, 8. April 2010 | Kommentare (0)

Heiko M/S/O, der Nachhaltige?

Während Heiko M/S/O im ersten Teil unserer Interview-Reihe noch Taschen voller Vinyl hatte und sich im zweiten Teil als Geschäftsmann zu erkennen gab, erwärmt sich der DJ und Labelchef im dritten und letzten Teil für eingeheizte Garagen-Partys.


Neben der Musik geht es bei „Organic Disco“ auch um Klima schonendes Feiern. Welche Rolle spielt für Dich das Thema Nachhaltigkeit?

Dieses Thema ist mir natürlich wichtig, aber in Verbindung mit Disco habe ich es noch nie gesehen. Ich finde den Gedanken, dass die Leute durch Tanzen selbst Energie produzieren echt spitze. Das kennt man ja schon von kalten Garagen-Partys, wenn alle tanzen wird es plötzlich tierisch warm. Ich würde es super finden, wenn das in jedem Club so wäre.

Der Watt-Club in Rotterdam setzt gezielt auf den Nachhaltigkeitsgedanken. Regenwasser wird für die Toilettenspülung genutzt, Tanzenergie wird in Strom umgewandelt und statt Glühbirnen werden LED-Leuchten verwendet. Ein Vorbild für deutsche Clubbetreiber?

Ich weiß nicht wie und ob sich das Ganze rechnet, aber die Idee ist auf jeden Fall unterstützenswert. Wenn es dafür Zuschüsse gibt, wüsste ich nichts, was dagegen spricht. Das ist doch auch für die Besucher des Clubs ein geiles Gefühl, wenn sie durch Tanzen den Abend am laufen halten. Allerdings haben die Clubs derzeit ganz andere Probleme, sie bekommen von der Stadt oft brutale Auflagen, was beispielsweise Parkplätze und Brandschutz angeht.

Der Szene haftet ja immer noch der Ruf des Hedonismus an…

Stimmt. Der Ruf des oberflächlichen Party-Volks haftet der Szene immer noch an. Mir selbst ist es ganz oft passiert, dass ich wegen meines Berufs belächelt wurde. Für viele sind das keine Menschen, die nachdenken. Ja, es hat etwas mit Feiern und mit Spaßgesellschaft zu tun. Man wirft Drogen ein, man trinkt, man tanzt. Deshalb denken die Leute, dass das Ganze nicht wichtig ist. Sie vergessen aber, dass der Mensch, seit er aufrecht gehen kann, Rituale hat, bei denen es ums Tanzen geht. Tanzen ist etwas Befreiendes – etwas das sehr viel mit der Seele zu tun hat. Rhythmus ist meines Erachtens genauso wichtig wie Sprache. Vielleicht will sich der eine oder andere betäuben, aber das ist nicht das primäre Ziel, nicht das, worin es wurzelt. Ich sehe viel mehr den sozialen Aspekt: Die Musik als universelle Sprache.

Ist Nachhaltigkeit da überhaupt ein Thema?

Die nachhaltige Kultur ist kein Bestandteil der Elektroszene, aber wenn man nicht ganz bescheuert ist, macht man sich darüber Gedanken.

Deine Club-Favourites?

Robert Johnson (Offenbach): Eine Plattform, wo immer wieder sensationelle Partys stattfinden können. Die letzte sehr gute war mit Moodyman, der hat einmal quer Beet durch die Musikgeschichte gespielt.

Berghain (Berlin): Ein besonderes Gebäude, ein interessanter Raum, ein gewisses Sex-Potential. Tanzen hat ja viel mit Sexualität zu tun.

Panorama Bar (Berlin): Da entsteht eine ganz besondere Energie. Finde ich eigentlich besser als das Berghain.

Fabric (London): Ist zwar ein Großraumladen, aber sie machen ein gutes Programm.

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