01. Februar 2012 | 0 Kommentare | Tobias Reitz

Organic Disco zieht Klimabilanz

"CO2-Ausgleich"-Zertifikat für Organic Disco

Kirsten Koch-Schäfer, HSE, (r.) und Georg Schattney, Forest Carbon Group, (2.v.r) überreichen Tobias Reitz (2.v.l.) und Michael Bode-Böckenhauer, Centralstation, (l.) das Zertifikat über den CO2-Ausgleich

Wie nachhaltig war die „nachhaltigste Party der Stadt“ wirklich? Am 9. September 2011 feierten in der Centralstation Darmstadt mehr als 650 Besucher die zweite Organic Disco. Gemeinsam mit der Centralstation, unserem Hauptsponsor Entega und ihrem Schwesterunternehmen Forest Carbon Group haben wir nun Klimabilanz gezogen und den CO2e-Fußabdruck der Party berechnet.

Das Ergebnis wurde am Mittwoch, dem 1. Februar, im Rahmen eines Pressegesprächs in der Lounge der Centralstation Darmstadt präsentiert: Durch die Maßnahmen, von Fahrraddisko bis Fahrradparkplatz, ist uns gelungen, die Menge der Treibhausgasemissionen um fast 20 Prozent zu senken. Emissionen, die nicht vermieden werden konnten, werden mit freundlicher Unterstützung der Entega durch Investitionen in Aufforstungs- und Waldschutzprojekte kompensiert.

Fast alles, was zu einer guten Party gehört, war in der Organic Disco klimafreundlicher als bei gewöhnlichen Veranstaltungen dieser Größenordnung. Flyer und Plakate wurden klimaneutral in Darmstadt gedruckt, die Speisekarte der Imbissbude um vegetarische Snacks ergänzt und Live-Act Ricoloop reiste mit dem Zug nach Darmstadt.

Zudem wurde nicht nur Energie gespart, sondern auch gewonnen: Wer auf dem Sustainable Dance Floor tanzte oder auf der europaweit einzigartigen Fahrraddisko strampelte, half mit, Strom zu erzeugen. Da die Centralstation jedoch ohnehin Ökostrom bezieht, was allein an diesem Abend rund 150 Kilogramm Treibhausgase einsparte, fiel dies weniger ins Gewicht als das Mobilitätskonzept der Organic Disco.

Der Fahrradparkplatz im Carree mit kostenlosem Putz- und Pump-Service animierte jeden fünften Besucher der Organic Disco klimaschonend per Rad zur Centralstation zu kommen. Fahrgemeinschaften wurden vom Social Mobility Network flinc mit einem kostenlosen Parkticket belohnt und die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln war im Ticketpreis inbegriffen.

So konnten nach den Berechnungen der Forest Carbon Group rund 690 Kilogramm CO2 eingespart werden. Dies zeigt, dass die Mobilität der Gäste nicht nur der größte Verursacher von CO2 ist (72 Prozent der Gesamtemissionen), sondern von den untersuchten Komponenten (Energie, Mobilität, Übernachtungen, Gastronomie, Druck- und Merchandising, Müll und Abwasser) auch das größte Einsparpotenzial bietet.

Ohne die Maßnahmen, so die Schätzungen der Forest Carbon Group, hätte die Organic Disco 5.734 Kilogramm CO2e verursacht. Trotz aller Bemühungen bleiben unter dem Strich 4.665 Kilogramm CO2e, die die Veranstalter nicht vermeiden konnten. Pro Besucher entspricht dies etwa 6 Kilogramm CO2e. Zum Vergleich: Durchschnittlich verursacht ein Bundesbürger rund 30 Kilogramm CO2e pro Tag. Um das vom Weltklimarat festgelegte Ziel, die Erderwärmung von 2° C gegenüber dem vorindustriellen Wert nicht zu überschreiten, muss die tägliche Menge der Treibhausgasemissionen eines Menschen bis zum Jahr 2050 auf unter fünf Kilogramm reduziert werden.

Die nachhaltigste Party der Stadt ist also noch lange nicht nachhaltig genug. Doch sie ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung – auch und gerade weil sie Partygäste und Veranstalter dazu inspiriert, den Umweltgedanken der Party mit nach Hause zu nehmen. Deshalb sind wir stolz darauf, diesen Stein ins Rollen gebracht zu haben: Heute verkündete die Centralstation, binnen zwei Jahren zum klimaneutralen Kulturzentrum zu werden – eine Organic Disco, die bleibt. Wir wünschen alles gute auf diesem Weg!

Infobox: Was sind CO2e?
Der Begriff Treibhausgasemissionen fasst alle gasförmigen Stoffe zusammen, für die vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), im Deutschem häufig als „Weltklimarat“ bezeichnet, ein Koeffizient für das Treibhauspotential definiert wurde. Der Carbon Footprint beinhaltet die im Kyoto-Protokoll von 1992 festgehaltenen, wichtigsten Treibhausgase. Neben Kohlendioxid (CO2) werden auch Methan (CH4), Distickstoffoxid (N2O), Fluorkohlenwasserstoffe (HFKW, PFKW) und Schwefelhexanfluorid (SF6) berücksichtigt. Entsprechend ihrer Klimaschädlichkeit werden die Treibhausgase in Kohlendioxidäquivalente (CO2e) umgerechnet. Kohlendioxid dient hierbei als Referenz. CO2 ist zwar nicht das treibhausschädlichste Produkt, es wird jedoch am häufigsten emittiert. Man ordnet den Treibhausgasen einen Zahlenwert zu, der die Relation zu Kohlendioxid in Bezug auf seine Klimaschädlichkeit ausdrückt. Die Emission von Methangasen ist beispielsweise 23-mal klimaschädlicher als Kohlendioxid.

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