20. Oktober 2011 | 2 Kommentare | Birte Frey

Was ist Nachhaltigkeit?

Heute ist einfach alles nachhaltig: Autos, Computer, selbst Ölkonzerne und Banken, politische Strategien sowieso. Längst ist Nachhaltigkeit zu einem schwammigen Modewort verkommen. Inflationär wird es in jedem Werbetext benutzt. Und auch wir treten mit dem Ziel an, die „nachhaltigste“ Party der Stadt zu feiern. Doch was heißt Nachhaltigkeit eigentlich und was bedeutet es für für die Organic Disco?

 

Facing the future

Entstanden ist der Begriff bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts in der mitteleuropäischen Forstwirtschaft und bedeutete seinerzeit, nur so viel Holz zu fällen wie durch Neupflanzungen nachwachsen kann (vgl. Jonker et al., 2011: 143).

 

Im Brundtland-Bericht aus dem Jahr 1987 wurde Nachhaltigkeit erstmals als Prozess definiert, welcher die „Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass zukünftige Generationen ihre eigenen nicht befriedigen können“ (Hauff, 1987: 46). Die Autorin Gro Harlem Brundtland (emalige norwegische Umweltministerin und damalige Ministerpräsidentin) war sich bewusst, welcher schwierigen Aufgabe sie sich mit diesem Bericht und der Definition von Nachhaltigkeit gestellt hat: „In the final analysis, I decided to accept the Challenge. The challenge of facing the future, and of safeguarding the interests of coming generations. For it was abundantly clear: We needed a mandate for change.” (Brundtland, 1987: S. 12).

 

Es geht um Gerechtigkeit

Doch was wollten Brundtland und ihr Team ändern? Es ging ihnen nicht nur darum, die Umwelt zu schützen und Ressourcen zu schonen, es ging ebenso darum, den ins Absurde steigende Konsum und unnötigen Energieverbrauch zu stoppen. Es ging ihnen um Gerechtigkeit. Gegenüber der Natur und gegenüber anderen Menschen.

Fünf Jahre später beschlossen 178 Staaten in Rio de Jainero auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung die „Agenda 21“ und wollten so den Forderungen des Brundtland-Berichtes Taten folgen lassen, indem sie das Leitbild der Nachhaltigkeit gestärkt und die Ziele der Industrie- und Entwicklungsländer zusammengeführt haben. Gleichzeitig definierten sie den Begriff: „Nachhaltigkeit kann nicht isoliert ökologisch betrachtet werden, sondern hängt immer gleichzeitig mit sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen und Fragen zusammen.“

 

Nachhaltigkeit: Ökonomie, Ökologie und Soziales

Nachhaltigkeit wird deshalb häufig als Dreieck dargestellt – jede Seite repräsentiert einen der gleichwertigen Eckpfeiler: Ökonomie, Ökologie und Soziales. Inzwischen wurde das Modell vielfach abgewandelt und ergänzt, hat aber immer noch Gültigkeit.

Nachhaltigkeit bedeutet also zum einen das Ökosystem zu erhalten (Umwelt), da es die Grundlage des menschlichen Lebens darstellt. Zum anderen ökonomisch gleichmäßig zu handeln (Wirtschaft), um die gewünschte Lebensqualität aufrechtzuerhalten. Dies verlangt, Produktion und Konsum so umzustellen, dass sie als nachhaltig bezeichnet werden können. Zuletzt geht es um die Komponente sozial gerecht zu handeln (Gesellschaft), was ebenso nach sich zieht, in Gesundheit, Sicherheit, Bildung und Menschenrechte zu investieren (vgl. Jonker et al., 2011: 144 und M. von Hauff, Kleine, 2009: 18ff).

Schon im Brundtland-Bericht wird betont, dass es vor allem die Wirtschaft ist, die Umdenken muss. „What is needed now is a new era of economic groth that is forceful and at the sametime socially and environmentally sustainable.” Damit meinte Brundtland nicht nur Regierungen, sondern alle „from the one-person business to the great mutlinational company”(Brundtland, 1987: S. 14).

 

Wie man die Welt rettet? Mit Spaß!

Wir als Veranstalter der Organic Disco glauben, Unternehmen zum nachhaltigen Handeln zu bewegen, ist nicht durch Zwang und nicht allein durch politische Vorgaben zu erwirken, sondern vorallem dadurch, dass sie erkennen, welche Vorteile darin liegen: glückliche Mitarbeiter und zufriedene Kunden = Multiplikatoren = mehr glückliche Mitarbeiter und mehr zufriedene Kunden.

Die Organic Disco will zeigen, wie’s geht: Ihr Ziel ist es, wirtschaftlich erfolgreich zu sein (ohne dabei jemanden auszubeuten) und die Welt ein kleines bisschen besser zu machen, ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Dieses Prinzip versuchen wir mit der Organic Disco Sponsoren, Veranstaltern und unseren Partygästen näher zu bringen.

 

A call for Action!

„Das Ziel der Bildung für nachhaltige Entwicklung ist es, dem Einzelnen Fähigkeiten mit auf den Weg zu geben, die es ihm ermöglichen, aktiv und eigenverantwortlich die Zukunft mit zu gestalten”, heißt es auf dem Webportal „Bildung für nachhaltige Entwicklung” der UNESCO-Kommission. Auch wenn uns das Wörtchen „aktiv“ ein Greul – weil ebenfalls inflationär verwendet – ist, schließen wir uns diesem Ziel an.

Wir wollen selbst helfen, die Welt ein bisschen besser zu machen und anderen Menschen zeigen, dass sie es auch können. Hier und Jetzt. Oder um es in Brundtlands Worten zu sagen: „But to keep options open for future generations, the present generation must begin now, and begin together.“ In der Organic Disco zu tanzen, ist für uns der erste gemeinsame Schritt.

PS: Eine interessante Annäherung an den Begriff Nachhaltigkeit gibt’s in diesem Filmchen vom ZDF.

 

Quellen


Brundtland, Gro Harlem (1987): Brundtland-Bericht

 
Hauff, Michael von/Kleine, Alexandro (2009): Nachhaltige Entwicklung: Grundlagen und Umsetzung. München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag.
 
Hauff, Volker (1987): Unsere gemeinsame Zukunft: Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung. Greven: Eggenkamp.
 
Jonker, Jan/Stark, Wolfgang/Tewes, Stefan (2011): Corporate Social Responsibility und nachhaltige Entwicklung: Einführung, Strategie und Glossar. Berlin/Heidelberg: Springer Verlag.
 
Kreibich, Rolf (1996): Nachhaltige Entwicklung: Leitbild für die Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.

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2 Kommentare

Matthias Schirmag schrieb am 23. November 2011 um 17:02:

Klasse Artikel. Sehr gut geschrieben sind vor allem die Hintergründe und die Entwicklung des Begriff Nachhaltigkeit.
Wieder etwas gelernt! 🙂

Birte Frey schrieb am 23. November 2011 um 17:11:

Danke für die Blumen! Die Recherche war auch sehr interessant, da habe ich einiges gelernt. Der Begriff Nachhaltigkeit wird ja wirklich inflationär verwendet, aber kaum einer weiß, was es eigentlich heißt. Da war es echt mal Zeit das zu ergründen.

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